Fakten zur aktuellen Diskussion über Methadon in der Krebstherapie

Veröffentlicht am 1. Juli 2017

Das Thema Methadon in der Krebstherapie gewinnt aktuell an Brisanz. Dabei treffen verschiedene Überlegungen und Interessen zusammen.
Viele Menschen beschäftigt besonders die Rolle der Pharmaindustrie, da beim Einsatz von Methadon weniger Gewinne erzielt werden können, als mit neuen Wirkstoffen. Viele Ärzte hingegen machen sich Gedanken über das mangelhafte Wissen der Patienten, die praktisch jedem glauben, der ihnen plötzliche Heilung verspricht. Die Wahrheit ist jedoch deutlich komplizierter.
Die Wahrheit ist, Methadon könnte oder könnte auch nicht helfen, Krebszellen zu zerstören. Zum jetzigen Zeitpunkt lässt sich das noch nicht beantworten.

Es gibt Hinweise, dass Methadon bei einigen Patienten tatsächlich geholfen hat. Das heißt aber nicht, dass dies für alle Betroffenen gilt. Darüber hinaus ist auch der sogenannte Placeboeffekt manchmal wirksam genug, um zum Rückgang oder zur vollständigen Heilung bei Krebspatienten zu führen.

Um sicher zu sein, dass Methadon die Effekte der Chemotherapie verstärkt, müsste jemand eine drei-phasige klinische Studie durchführen.
Dazu würden hunderte von zufällig ausgewählten Patienten ebenso zufällig in zwei Gruppen aufgeteilt.
Die eine Gruppe würde zusätzlich zu einer Chemotherapie Methadon erhalten, die andere Gruppe  statt Methadon nur ein Placebo. Die Studie findet üblicherweise in einem bestimmten Zeitrahmen statt. Oft beinhaltet dieser 12 Wochen Behandlungszeit, gefolgt von 40 Wochen Beobachtung, um die Langzeitzeitfolgen, d.h. mögliche Nebenwirkungen analysieren zu können. Nur wenn Patienten, die Methadon erhalten haben, signifikant bessere Resultate aufweisen, als die Patienten, die ein Placebo bekommen haben, könnte man sicher sein, dass Methadon die Krebstherapie wirksam unterstützt.

Zum jetzigen Zeitpunkt existiert eine solche Studie jedoch noch nicht. Bis dahin müssen wir uns auf das beziehen, was wir wissen.

Dazu will "Transparenz in Arzneimittelstudien", TAS e.V., die bereits vorhandenen Daten zu Methadon in der Krebstherapie analysieren, nachvollziehbar zusammenfassen und veröffentlichen. Die couragierten Wissenschaftler arbeiten unabhängig von wirtschaftlichen Interessen und möchten u.a. Patienten durch diese Analyse die notwendigen Informationen zur Verfügung stellen, um dieses Thema mit ihren Ärzten zu besprechen. Außerdem könnte eine solche Analyse als wichtige Voraussetzung für klinische Studien dienen.

Ärzte haben oft Angst davor, ihren Patienten mit unbekannten Behandlungsmethoden schweren Schaden zuzufügen. Es ist deshalb nachvollziehbar, dass sie oftmals die Behandlung von Patienten mit Methadon, zusätzlich zur Chemotherapie, ablehnen.
Das mag einen zunächst empören, aber Tatsache ist, dass sie nicht sicher sein können, wie sich die Behandlung mit Methadon auswirkt und welche Dosis schon bei anderen Patienten erprobt wurde.
Genau diese Informationen möchte TAS e.V. anhand der bereits vorhandenen Daten überprüfen und für jeden nachvollziehbar veröffentlichen.

TAS e.V. möchte in diesem Zusammenhang auch daran erinnern, dass Patienten sich auf keinen Fall selbst behandeln sollten. Jegliche Einnahme von Medikamenten sollte immer von einem ausgebildeten Arzt überwacht werden. Denn jede Chemikalie kann auch toxisch wirken.

Methadon scheint die Wirkung der Chemotherapie deutlich zu verbessern. Aber welche Dosierung wurde bisher erprobt und wieviel ist notwendig um eine Wirkung zu erzielen? Und welche kurz- und langfristigen Nebenwirkungen wurden bisher beobachtet? Eine weitere Frage ist, was passiert in Bezug auf mögliche Nebenwirkungen, wenn noch weitere Medikamente eingenommen werden müssen?

All diese Fragen müssen dringend zumindest anhand der vorliegen Daten beantwortet werden und können richtungsweisend sein, bis eine klinische Studie durchgeführt wurde.

Helfen Sie "TAS e.V. -Transparenz in Arzneimittelstudien" dabei!

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Helene Schönewolf

, TAS e.V.
helene.schoenewolf@tas-ev.org


Jacques Ehret, MSc.

Chemoinformatiker, Helmholtz Zentrum München
jacques.ehret@tas-ev.org

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